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Impulse zum Pilgern & Wallfahren

Eine Wallfahrt zu machen oder einen Pilgerweg zu gehen, heißt nicht nur, einen religiös bedeutsamen Ort aufzusuchen. Es bedeutet vielmehr einen Weg in das eigene Innere zuzulassen, der von einer Offenheit für die Wirklichkeit und Vertrauen in Gott gekennzeichnet ist.
Eine Wallfahrt, ein Pilgerweg können sowohl allein als auch in Gemeinschaft unternommen werden. Hier verwirklicht sich „im Kleinen“ unser lebenslanges Unterwegs-Sein. Zugleich geht es um eine Erfahrung der Gegenwart Gottes, der auf allen Wegen bei uns ist.
In den folgenden Texten werden verschiedene Etappen eines  solchen Weges beschrieben. Diese Gedanken mögen Sie auf Ihrem Weg, in Ihren Wahrnehmungen und beim Formulieren eigener Gebete unterstützen.

1.  Vorbereiten
Nach dem Entschluss zu einem solchen Weg ist ein Mindestmaß an Vorbereitung nötig. Dabei gilt: je einfacher, desto besser. Nichts Beschwerliches sollte unnötig belasten, weder äußerlich noch innerlich.

2.  Aufbrechen
Die ersten Schritte führen aus dem Alltag heraus in eine Offenheit und Unbekümmertheit, in eine sorgsame und dankbar Aufmerksamkeit für das, was ist. Ich habe Zeit und Vertrauen: es wird gut.

3.  Gehen
Der Weg selbst ist das Ziel. Was jetzt ist, zählt. So wandere ich durch die Landschaft und entdecke immer wieder, wie ich auf meinem Lebensweg unterwegs bin.

4.  Ankommen
Die Ankunft bewirkt Freude und Erleichterung. Der Ort ist erreicht, zu dem ich wollte. Aber was soll nun geschehen? Das werden die nächsten Schritte zeigen, die in aller Kürze noch vor mir liegen.

5.  Eintreten
Ich stehe an einer Schwelle, die ich überschreite, um ins Innere zu kommen. Dort lassen mich die Äußerlichkeiten des Raumes stau¬nen, bewundern – und manchmal verwundern sie mich. Was hat all das zu bedeuten? Es ist ein heiliger Ort. So führt mich der letzte Schritt in ein Inneres, wo Gott auf mich wartet.

6.  Beten
Ich bin ganz da. Ich spreche und schweige, ich höre und spüre, Gott ist da. Er spricht in der Stille, in Zeichen, in Worten, in meinen Gedanken. Ich trage vor ihn meine Bitten, meinen Dank, meine Freude, mein Leid und all die Menschen, denen ich verbunden bin. Gott nimmt uns an.

7.  Abreisen
Der Abschied von diesem Ort ist zugleich wie ein Aufbruch zurück (bzw. voran) in den Alltag. Dorthin ruft uns Gott, damit wir teilen, was wir empfangen haben: ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Lebensfreude, ein bisschen Liebe. Gott geht mit uns. So sind Wallfahrt, Pilgerweg oder Alltag nur unterschiedliche Etappen auf unserem einen Weg mit und zu ihm.

 
Wallfahrt und Pilgerweg

Zwischen diesen beiden Begriffen für eine „religiöse Reise“ gibt es viele Ähnlichkeiten. Eine Charakterisierung mag jedoch helfen, die unterschiedlichen Schwerpunkte dieser Wege zu verstehen und nachzuvollziehen.
Als Menschen sind wir auf der Erde immer unterwegs zu unserer ewigen Heimat in Gott. In diesem Sinn sind wir gleichsam „Fremde“ (vom lateinischen Wort peregrinus = Fremder kommt das Wort Pilger). Dennoch sind wir in dieser Welt „zuhause“. Diese Spannung zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und immer wieder etwas Neuem, zwischen Stabilität und Mobilität, zwischen Festhalten an Gewohnheiten und Aufbruch in etwas Unbekanntes, zwischen Bewahren und Erneuern spüren wir bei verschiedensten Gelegen-heiten. Dabei vertrauen wir, dass mit der Schöpfung und der Mensch gewordenen Solidarität Gottes in Jesus Christus letztlich alles in der Hand Gottes geborgen ist.

Beim Pilgern geht es vorrangig um einige Grundhaltungen, die in allen Religionen und für das Menschsein insgesamt bedeutsam sind:

  • Das Bewusstsein, als Menschen immer unterwegs zu sein
  • Eine Konzentration auf das wirklich Notwendige und Wesentliche, weil alles Unnötige nur überflüssigen Ballast darstellt
  • Offenheit und Aufmerksamkeit für die umgebende Wirklichkeit, durch die Gott mit uns in Verbindung tritt usw.

Das Ziel des Pilgerns ist das Gehen des Weges selbst. Dabei offenbart sich nicht selten eine Erfahrung von Freiheit. Ein Pilgerweg ist immer auch ein Weg zu sich selbst. Die persönlichen religiösen Überzeugungen können dabei sehr individuell sein. In einem weiteren Sinn kann man diese Pilgerhaltungen auch in den Alltag mit¬nehmen und dann so manches als Pilger-Erfahrung deuten.

Eine Wallfahrt ist eine konkrete Unternehmung, die Menschen (oft mit einem bestimmten Anliegen) an einen besonderen religiösen (Wallfahrts-)Ort führt. Eine Wallfahrt ist eine religiöse Unterbrehung des Alltags, ja ein kleines Fest des Glaubens. Die persönliche Religiosität ist dabei eingebunden in den Glauben der Kirche. Natürlich sind auch die beschriebenen Pilgerhaltungen für eine Wallfahrt wertvoll, bleiben möglicherweise aber mehr im Hintergrund. Viel mehr beachtet man den erreichten Ort, seine Geschichte, die Spuren der Gläubigen (Heiligen), die hier waren, die Schönheit der Kirche usw.

Pilgerweg und Wallfahrt sind kein Widerspruch. Es gibt auch beides in einem, wenn die jeweiligen Charakteristika bei den verschiede¬nen Etappen entsprechend hervortreten. Beide weiten den Horizont, vertiefen den Glauben und stärken das Vertrauen in Gott, der alles zum Guten führt bei den Menschen, die lieben.

Dr. Walter Krieger, Österreichisches Pastoralinstitut Wien

www.pastoral.at

Themenbereiche im Steinbruch
- sich besinnen - damals - heute - glaubend unterwegs - Fundgrube
Diese Themen werden zur Zeit in einer transnationalen Arbeitsgruppe bearbeitet. Einige Beiträge sind bereits fertiggestellt und publiziert, andere werden in den nächste Monaten erscheinen. Sollten sie als Besucher einen Beitrag publizieren wollen, so bitten wir sie, uns diesen Beitrag zu Handen der Arbeitsgruppe zuzustellen (admin@jakobsweg.ch).

http://www.jakobsweg.ch/de/spiritualitaet/steinbruch.html
 

Spiritualität des Pilgerns

von Dr. Petra Kurten, Katholische Universität Eichstätt.

 

D a s   L e b e n   a l s   P i l g e r w e g  
 
 
Das   häufigste   hebräische   Wort   für   „Weg“   (därach)   kommt im   Alten Testament über 700 mal vor.
 
Gemeint ist aber nicht das Ding „Weg“, der kartografierbare, sichtbare, objektive Weg, sondern das  auf dem Weg Sein  von  Menschen, ihr in Bewegung Sein auf ein Ziel hin, gemeinsam mit anderen Menschen und mit Gott.
Der Weg ist also ein Symbol für das Unterwegssein des Menschen.
 
Der Weg ist ein Ursymbol des Lebens. (1) Wir sind unterwegs zu uns selbst, zueinander und zu unserem Lebenssinn – zu Gott. Das Wort Sinn bedeutet ursprünglich ‚gehen’, ‚reisen’. (2) Erfahrungen machen, etwas erleben.
 
Das Leben ist eine lange Pilgerreise zu sich selbst. Identitätsfindung ist ein lebenslanger Prozess, ein Weg mit verschiedenen Stationen, eine Aufgabe.
à auf diesem Weg begegnen wir Gott (besonders an den Kreuzungen)
-          Spuren im Sand
-          Erfahrungen. Wege gehen muss jeder selber (selbst aktiv auf eigenen Füßen gehen)
-          wir sind leibliche, sinnliche Wesen; alle Erfahrung und Erkenntnis ist durch die Sinne vermittelt
à wir gehen miteinander (gemeinsames Motto, Erkennungszeichen Stab / Muschel)
 
            Buber: am Du wird der Mensch zum Ich
                        am anderen, in der Begleitern, Begleitung Gottes erfahren
A. de Saint-Exupéry: „Wir sind Pilger, die auf verschiedenen Wegen einem gemeinsamen Treffpunkt zuwandern“
 
 
Volk Gottes unterwegs
Wie schon für Israel ist für Jesus Gott der Anfang und der Zielpunkt der Lebensreise. Auf der Wanderschaft geboren, verkündet er wandernd das Evangelium und beruft seine Jünger, die mit ihm wandern. Besonders das Lukasevangelium hebt den Wegcharakter des Lebens Jesu hervor.
 
Der Weg Jesu ist ein Weg der Begegnung mit Menschen. Jesus ist auf dem Weg bei Menschen     zu     Gast;     er     isst     und    trinkt     mit    ihnen,     rastet,     heilt, befreit und lehrt.
 
Er geht, erfüllt vom Geist, seinen Lebensweg im unerschütterlichen Vertrauen zu Gott, seinem Vater – auch in der Begegnung mit Leid, Zweifel und Tod. In Jerusalem, dem Wallfahrtsort Israels, stirbt er am Kreuz und wird hineingenommen in de Lebensfülle Gottes in der Auferweckung. Sein Weg mit uns ist nicht zu Ende.
 
 
 
Lk erzählt die österliche Weggeschichte von der Begegnung des Auferstandenen mit den Emmausjüngern. Unterwegs, im Gehen mit Jesus verändert sich für sie alles: Aus Zweifel, Depression und Selbstmitleid erwächst Vertrauen und Zuversicht; aus Isolation wächst gemeinschaftliche Hoffnung und Freude.
 
Von der Ostererfahrung her wird Jesus selbst zum Weg und zum Ziel. In dem Offenba-rungswort „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6) liegt die Betonung auf dem Weg. Die Wahrheit und da Leben ergeben sich aus dem Gehen des Weges. Sie beschreiben, wie der Weg, der Jesus ist, sein kann.
 
Sein Lebensweg kann Modell von Identitätsfindung, von gelingendem, erlöstem Leben sein. Nachfolge ist der „Feuerkern“ des Christentums, wie Martin Buber sagt. Darum werden die Christen auch nicht als Anhänger einer Lehre, sondern als die Menschen des neuen Weges bezeichnet (vgl. Apg 9, 2).
 
Bibel: Weggeschichten erzählen
            Modell zum Einsteigen, deuten
            wir erzählen einander unsere Wegerfahrungen
 
Im Alten Testament ist die Erfahrung der Menschen mit Gott entscheidend für das Symbol Weg; es steckt voller Weggeschichten. Modell gelungenen Lebens und Glau-bens zum Einsteigen, zur Identifikation.
 
Im    Vertrauen   auf    Gott    wagt    Abram    den    Aufbruch   aus   seiner   Heimat, weg von seiner  Verwandtschaft.  Er wandert  in ein neues  Land,  das  Gott ihm zeigt und wird in diesem Prozess zu einem neuen Menschen. Weg und Wandlung: neuer Name Abram wird Abraham, der Vater vieler Völker. Seine Wegerfahrung befähigt ihn zu fruchtbarer Vaterschaft im Glauben für viele (Gen 12).
 
Den     Nomaden    der     Vätererzählungen    in     Genesis     ist     Gott     ein     Gott des Weges und des Schutzes (El Schaddaj). Er will bei den Menschen sein und zieht im Zeltheiligtum    mit    –    repräsentiert    durch     Weihesteine,     Symbole    à Andenken an Erfahrungen mit diesem Gott – so auch Bundeslade.
 
Gott zeigt sich dem Mose im brennenden Dornbusch auf dem Weg durch die Wüste und befestigt ihn so, das Volk aus der Knechtschaft in Ägypten herauszuführen. Hier beginnt der Heilsweg Gottes mit seinem Volk, der Weg der Versuchungen, Zeichen der Nähe, Befreiung und   Erlösung,   der zu   Gemeinschaft mit Gott und Harmonie miteinander – Gottes Herrschaft – führt.
Modell für Gotteserfahrung schlechthin à M. Luther King
 
 
Sakrament
 
Wir berühren den geheimnisvoll verborgenen Gott in seiner Schöpfung im Umgang mit Erde, Wasser, Luft und Licht.
Das   Sakrament ist also eine   Art der   Kommunikation   zwischen   Gott und Mensch.
„Sakrament ist   alles,   sofern es von   Gott her   und in seinem   Licht   gesehen wird“,   d. h.,   der Mensch muss sich auf diese Herausforderung   Gottes   (pro-vocar) einlassen. Das Gehen des Weges ist reich an solchen Herausforderungen.
 
 
P i l g e r n   a l s   s a k r a m e n t a l e   H a n d l u n g
i n   d e r   N a t u r
 
Der Jakobsweg ist ein Weg in der Natur – Natur verstanden als Sakrament Gottes.
 
Sakrament:
Das aus dem   Lateinischen stammende Wort   Sakrament   hat den Wortstamm ‚sacr’, was die Sphäre des Heiligen, Religiösen benennt.
 
Es ist die lat. Übersetzung d er gr. bibl. mysterion. Die Wurzel ‚my’ meint das Schließen der Augen oder des Mundes: Reaktionen auf eine Erfahrung, die sich dem diskursiven Denken entzieht und mit Worten nicht formulierbar ist. Dabei wird das ‚Geheimnis’ dem Mysten durch Erfahrung zuteil; so steht das Wort ‚Geheimnis’ für „eine Wirklichkeit und ein Teilhaben an dieser Wirklichkeit, welche die Sprache und den rationalen Diskurs übersteigen“.
 
„Auch heute noch lebt hinter jeder speziellen Sakramententheologie das Wissen um die Sakramentalität  der   Welt“,   das  seine   Wurzel  in  der   antiken und   mittelalter-lichen Überzeugung hat, dass die Dinge eine innere Verweiskraft auf eine sie transzendierende    Wirklichkeit    besitzen.    Sakrament    ist    nach    ältester kirchlicher      Tradition      alles,      was      heilig      ist,      weil      es      die      Spur des    hl.   Gottes    in   sich    trägt    und   in    Kontakt    mit   ihm    bringen   kann. „Gott ist nicht als ein gesondertes Objekt „hinter“ oder „neben“ den Dingen zu erfahren,   sondern nur   i n   der konkreten (ird.)   Wirklichkeit selbst als deren letztes, sie ist eigentlich konstituierendes Wovonher und Woraufhin.“ Denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“ (Weish. 13, 5). Gott, der Unsichtbare, teilt sich uns nicht direkt mit, sondern immer in Ver-bindung mit der Welt, dem Sichtbaren (Immanenz), dem ‚Sakrament Gottes’. Die-ses wird transparent  für Gott,  das  Transzendente,  weil sie  auf Gott  hinweist (e-vocar), der in ihr zugegen ist und durch die er sich offenbart, d. h., in der er sichtbar und greifbar wird. „Gott lässt sich in (…) (allem Geschaffenen) fin-den“ (Mose in der Felsspalte). „Christlicher Glaube geht also von einer Immanenz des transzendenten Gottes in seiner Schöpfung aus“ à Unsere Sinne / Wahrnehmung ist der wichtigste Ort der Gotteserfahrung (A. Grün).
 
Nach Gerken   ist ein Sakrament   nicht bloßes Zeichen in dem Sinn,   dass man eine   Ähnlichkeit   feststellt oder eine   Beziehung   herstellt,   sondern   Symbol in dem   Sinn,   dass   „die höhere   Wirklichkeit sich selbst in der niederen ausdrückt, in ihr gegenwärtig ist und durch sie wirkt (Selbstoffenbarung und Selbstgabe), nichts in unserem Verstand zu finden sei, was nicht zuerst durch die Sinne Eingang fand. Alle Begriffe sind im Be-greifen verwurzelt. (Natur begreifen).
 
‚Wahrnehmung’ der Natur mit allen Sinnen und ‚Besinnung’ hängt zusammen
à Erfahrung der Lebendigkeit – alles ist belebt (Mikrokosmos)
-          Zusammenhang und Vernetztheit – auch ich bin ein Teil davon, verbunden mit allem
 
‚Erleben’ bedeutet zusammenfassend: sich bereichern lassen – nicht dadurch, dass ich etwas in Besitz nehme, dass ich etwas methodisch oder technisch beherrsche, dass ich es also meinen Gesetzen unterwerfe, sondern dadurch, dass ich mich selbst davon ergreifen lasse und dadurch beschenkt werde (Freude am Leben)
à Dankbarkeit (Sonnaufgang, Lichten des Nebels, erkennt in den Gaben den Geber, sucht ein Du, um Danke zu sagen.
 
Wer dankbar ist, der ist sich bewusst, dass er nicht selbst der Ursprung seines Daseins ist. Er erkennt an, dass das, was er zum Leben braucht, nicht in seiner Verfügungsgewalt steht, sondern ihm geschenkt werden muss.
 
Solos     nach     einer     Singleerfahrung      (sparsam     einsacken),      z. B.     als Abend-,        Nachtwanderung        mit        Kerze,         Umschlag        mit        Papier und       Stift       –       Aufgabe:        Suche        Dir       einen       besonderen        Platz für Brief an sich selbst Kreis bilden, Gesicht nach außen sternförmig verlassen
 
à                Ankunft
gestalten Lichterpfad, gedeckter Picknicktisch
 
 
Solo: Seinen eigenen Platz in der
Natur suchen
 
Es ist schwierig,   gleichzeitig im   Dialog mit anderen   Menschen und mit der Natur zu sein:   Ein Dialog   ist ein Zwiegespräch,   in dem zwei Wesen für-einander da sind und miteinander kommunizieren. Es ist leichter, der Natur intensiv   zu   lauschen,    ihre   Ausdrucksweisen    und   ihre   Sprache   wahrzu-nehmen, wenn man allein an einem schönen Platz ist, der einem gefällt.
 
Ein Solo mit einer Gruppe muss vorbereitet werden. Es braucht eine ruhige, konzentrierte Stimmung, in der die Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit der Teilnehmer/-innen erhöht ist. Diese kann erreicht werden durch:
-          Naturwahrnehmungsbeispiele und Übungen
-          Naturmeditationen und Phantasiereisen
-          eine gemeinsame künstlerische Aufgabe
-          einen Spaziergang zu einer besonderen Tageszeit, zum Beispiel
zum Sonnenaufgang.
 
Erfahrungen  gehen  im Unterschied zum bloß Gehörten und Erlernten viel tiefer: nicht gewusste und theoretisch übernommene Glaubenssätze, sondern Erfahrungen prägen die Lebensdeutung und Lebenspraxis
Bibel – Sammlung erzählter Glaubenserfahrung
Pilgern soll erlebnisreich sein, Erfahrung ermöglichen.
 
 
Metaphorische Erfahrung (nach Stephen Bacon)
 
Der Mensch verknüpft Erfahrungen und bestätigt entweder sein Bild von Wirklichkeit durch neue Erfahrungen oder revidiert es.
 
Die metaphorische Funktion (Metapher  = ‚Übertragung’) besteht darin, eine Erfahrung     von     einem      Lebensbereich     in     einen     anderen     zu     über-tragen.
 
Auf dem Weg gemachte Erfahrungen - Vertrauen,  das nicht enttäuscht wird, Durchhalten angesichts von   Schwierigkeiten,   sich getragen fühlen durch andere und durch eine innere Kraft,  Erfolg haben, sich einlassen auf den Augenblick – können in den Alltag übernommen werden.
 
Die      Erfahrung     des      Getragenwerdens     auf     dem      Weg      gibt      Kraft, auch im Alltag darauf zu vertrauen. – Ein Beispiel: Jemand, der im Alltag immer viele Dinge beginnt, diese aber nicht zu Ende führen kann, wird auch auf dem Weg nach den ersten Tagen an eine Grenze kommen, von der er anfänglich glauben wird, sie nicht überwinden zu können.   Er wird stark über gesundheit-liche Probleme klagen  oder schlechte Stimmung verbreiten.   Gibt er dann aber nicht auf, sondern geht – etwa angespornt durch die anderen Pilger – weiter, wird er vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben   die beglückende Erfahrung ma-chen,   an einem gesteckten Ziel angekommen zu sein.   Dieses Erlebnis kann nun in seinen   Alltag hineinwirken,   was sich darin äußert,   dass er dort versuchen wird, Angefangenes auch wirklich bis zum Ende durchzuziehen.
 
Viele der auf dem Pilgerweg gemachten Erfahrungen können als Metapher für Lebenssituationen    gelesen    werden.    Der    Pilgerweg    ist   wie   ein mikroskopisches Modell des Alltagslebens. Der Mikrokosmos ist einfacher, auf das Wesentliche reduziert, aber er enthält die wichtigsten Elemente des Lebensweges. Lebensprobleme und -fragen kommen an die Oberfläche, z.B. Umgehen mit physischen und psychischen Grenzen oder mit Konflikten (in der Gruppe), einfachen Lebensbedingungen.       Es      kommt      darauf      an,      hier      lösungsorientiert durch Ermutigung, gegenseitige Unterstützung und positive Erfahrungen zu ermöglichen,         die         dann         auf         korrespondierende         Alltags-situationen zurückwirken können.
 
 
Archetypen der heiligen Reise (Mythos der Heldenreise) zum
Heiligen Ort in Mythen und Märchen
 
Der   ‚Heilige Ort’   ist immer schwer zu erreichen.   Derjenige,   der zu ihm auf dem  Weg  ist,   muss  zuerst  einen  Drachen bekämpfen oder eine gefährliche Brü-cke    überschreiten.    Er    findet    fremdartige    Pflanzen    und    Tiere.     Natur-gesetze wie Schwerkraft oder Zeit werden durchbrochen. Der Ort birgt etwas Geheimnisvolles   in sich.   Er hat   Anteil   an einer   transzendenten   Ebene des Seins. Aber  der Mensch kann dort nicht bleiben. Wenn er wieder in die reale Welt   zurückkehrt,   hat er dort etwas   Wichtiges   zu erledigen.   Der   Suchende kehrt verändert wieder nach Hause zurück.
 
Es besteht eine Parallelität zwischen dem Archetyp der hl. Reise und dem Pilgern in   der    Natur.    Der    Weg    fällt    oft    schwer,    ich    komme    an    meine Grenzen, entscheide mich zum Durchhalten. Das Zu-Fuß-Unterwegssein in der Natur ist eine radikal andere Welt als mein Arbeits- und Familienalltag in unserer modernen Welt, und gerade darin liegt die Chance zum Neubeginn und zur Wandlung. Weg als Mikrokosmos des Lebens hat verschiedene Aspekte und Situationen, die zugleich Tagesimpulse ergeben können.
 
Pilgern heißt Aufbrechen –
 
sich  der  Herausforderung  ungewohnten  Gehens,  körperlicher  Bewegung,  einer  neu-en    Umgebung   –   der    Natur,    Verzicht   auf    Komfort   und    Stille,    stellen; etwas verlassen und sich für Neues öffnen.
 
Ungewöhnliche Situationen sind Chance zur Wandlung (Lernsit.) – Weg und Wandlung haben die gleiche Wortwurzel.
 
In vielen Religionen führt der Weg zur Selbstfindung und spirituellen Erfahrung über den freiwilligen Verzicht, die Askese = Übung, pos. meint loslassen üben à sich lösen vom Alltag, Belastendem, Fixierungen und offen werden für neue Lösungen – von ‚lösen’ für eine Wandlung – hilft auch im Alltag, Situationen, Stress, Fixierungen loszulassen; erfahren, dass ich nicht gelebt werde, sondern selbst freiwillig mein Leben gestalte.
 
Was möchte ich zurücklassen?
(Papierflieger, Stein werfen, niederlegen am Cruz de Ferro, Schiffchen, aus dem Ruck-sack packen)
 
Was möchte ich mitnehmen?
Welche Frage, welches Lebensthema?
eigenes Symbol dazu suchen / Was begleitet mich?
Stab / Muschel …
Biblisches Aufbruchgeschehen, z. B. Abraham
in neue Lasten loslassen: Mk 10, 46-52 Bartimäus
 
„Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus dem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich Dir zeigen werde.“ (Gen 12, 1)
 
Die Komfortzone verlassen (pos. Askese), Verzicht auf Bequemlichkeit und Konsum eröffnet neue Erfahrung: das Einfache wertschätzen und zu danken.
trockene Kleider, warmes Getränk, frisches Wasser, ein gutes Wort, eine Rast- und Ruhepause.
 
 
Der Weg führt uns zum Ziel
 
Der Prozess des Gehens und die dabei gemachten Erfahrungen sind in sich kostbar:
Das Gehen selbst – körperliche und seelische Bewegung hängen zusammen.
 
Einerseits drückt der Leib unsere seelische Verfassung aus; Körperhaltung und Körpersprache    zeigen,    wie   es   um   uns    steht,    z. B.    Rücken    lässt   uns spüren, welche seelischen Lasten wir tragen; ein gutes Wort richtet uns auf.
 
Andererseits wirkt sich   körperliche   Bewegung   positiv auf den   ganzen   Men-schen aus: Das Wohlbefinden steigt, körperliche Bewegung verbessert die psychische     Grundstimmung,      da      Endorphine      (‚Glückshormone’) ausgeschüttet werden und Stress abgebaut wird, was dazu führt, dass man insgesamt ausgeglichener wird.
 
„Gehen  ist die beste Medizin“ – meint  schon  Hippokrates  (460 – 375 v. Chr.). Durch längeres Gehen wie auf dem Jakobsweg, d. h. ständiges körperlich ‚in Bewegung Sein’ kommt auch die Seele in Bewegung.
 
Pilgern heißt A u s z e i t –
Aussteigen aus der Alltagszeit
Verlangsamen, Entdeckung der Langsamkeit (Roman), bewusster wahrnehmen, Landschaft mit den Füßen studieren
 
Der Körper braucht Zeit, um sich auf das Gehen mit Gepäck einzustellen, sich zu überwinden, Anstrengung zu akzeptieren, den eigenen Rhythmus des Gehens zu finden à wird Gehen in seiner Gleichförmigkeit unterstützt vom regelmäßig bewussten Atmen
     zur Meditation.
à das Zeitgefühl verändert sich, Zeit rast nicht, es wird auch nicht langweilig,
     gelingt, ganz im Augenblick zu sein, Zeit zu haben und auszukosten.
 
Kontemplatives Gehen auf einer Wallfahrt kann – indem man sich ganz auf das Gehen einlässt – zur Ruhe führen, die den Menschen zu seiner Mitte, d.h. zu seiner Wahrheit, seinem Kern und darin zu Gott führt. Das Gehen trägt dazu bei, innerlich zur Ruhe zu kommen, sich zu sammeln und bewusst auf Gott zuzugehen, der uns entgegenkommt. Im Schintoismus z. B.   müssen die Gläubigen in Nikko   erst einen Weg von mehre-ren Kilometern gehen, bevor sie  in den heiligen Hain eintreten  dürfen,  der  sie zum Tempel führt.   Und auch der früher aktuelle   ‚Kirchgang’,   d. h. der Gang zum   Gottesdienst,   hat den Sinn gehabt,   dass die Menschen bewusst aus ihrem oft   hektischen   Alltag   aufgebrochen sind   und sich   durch das   Gehen   innerlich auf ‚die Begegnung mit Gott’ vorbereitet haben.
 
 
R a s t e n / R u h e (bewusst genießen und danken)
 
Ruhe ist aber nicht machbar – das wäre ein Widerspruch in sich selbst. Die Schöpfungsruhe, wie sie etwa die Bibel es am siebten Tage vorsieht,   ist eine Ruhe der Dankbarkeit. Das Schöne, die Schönheit der Schöpfung, die man jetzt ge-nießen darf, ist einem gegeben. Anders als in anderen Lebenserfahrungen und -bereichen müssen wir sie uns nicht verdienen, nicht dafür bezahlen. Letztlich dankbar sein kann ich nur gegenüber jemand, der mir absichtslos um meiner selbst willen Gutes gewährt. Dankbarkeit ist auch nur aus ganzem Herzen möglich, nicht nach ausge-handelten Leistungstarifen. In die Haltung der Dankbarkeit finde ich nur hinein, wenn ich ahne, dass ich mich ganz und gar verdanke; wenn ich mich  auf das große ‚Ja’ ver-lassen kann, das unabhängig von allem, was geschieht, zu mir gesprochen ist. Letztlich ausspannen und zur Ruhe finden kann ich nur, wenn mich die Einsicht prägt, dass ich mich Gott verdanke.
 
Wir spüren sozusagen das ‚Ja’ Gottes zu seiner Schöpfung neu auf. Wir voll-ziehen nach,   was er am siebten Tag als Sabbataufgabe wahrnahm:  die Schöp-fung mit Wohlgefallen zu betrachten und das Gute und Schöne in ihr zu erkennen.
 
 

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